Reisen auf Frachtschiffen und "DDG HANSA" - Bremen
  MS "GOLDENFELS" - Teil 1
 

Meine Zeit auf MS "Goldenfels"  -  Teil 1

Am 2.8. 1966 bin ich in Bremerhaven als Moses (Decksjunge) an Bord der "Goldenfels" eingestiegen. Ich hatte nach meiner seemännischen Grundausbildung auf "Schulschiff Deutschland" in Bremen einen Ausbildungsvertrag bei der DDG HANSA in Bremen unterschrieben. Das Schiff lag zu dieser Zeit in der Werft in Bremerhaven. Schon nach dem zweiten, oder dritten Tag an Bord wurde mein Aufenthalt auf der "Goldenfels" von einem schlimmen Unfall überschattet. Der Bootsmann hatte mir und meinem  Kollegen Jan Kokkelink, der ebenfalls als Moses eingestiegen war, den Auftrag erteilt, die Lukendeckel des Zwischendecks zu entfernen. Dabei verlor mein Kollege das Gleichgewicht und stürzte mit einem der schweren Holzlukendeckel ca. 5 - 6 m tief in den Unterraum des Schiffes und wurde dabei schwer verletzt. Wenn ich mich recht erinnere, kam er Monate später wieder zurück an Bord.
Von Bremerhaven ging es zunächst in den französischen Hafen Le Havre, wo wir 300 Autos für Houston / Texas in den USA übernahmen.


MS "Goldenfels"


MS "Goldenfels"


MS "Goldenfels"


Die beiden oberen Bilder zeigen die Reise über den Atlantik, die zum Teil recht stürmisch verlief. Die "Goldenfels" hatte die Brücke mittschiffs, wo die  nautischen Offiziere wohnten. Achtern wohnten das Maschinenpersonal und die Decksmannschaft.


MS "Goldenfels"


Während unserer Atlantiküberquerung gelang Ralf Uka dieses schöne Foto einer "Wasserhose"


MS "Goldenfels"


Malarbeiten auf See. Ralf Uka (oben) und Dierk Hüllenhagen (unten) beim malen eines Ladebaumes. 

MS "Goldenfels"


Einfahrt in die "Galveston Bay" vor Houston / Texas

MS "Goldenfels"



Hie befanden wir uns bereits im "Houston Ships Channel", als uns dieser "Schwergutkollege", die "Del Rio" entgegenkam.

MS "Goldenfels"


MS "Goldenfels"


Die beiden obigen Bilder kann man getrost als Aufnahmen von historischem Wert bezeichnen. Überall an den Ufern waren diese Erdölfördertürme zu sehen, die es heute längst nicht mehr gibt.
Im Sommer 2005 habe ich an Bord der "MSC SARAH" diese Fahrt auf dem "Houston Ships Channel" noch einmal erleben dürfen. Nichts sieht mehr so aus wie früher. Aber es war für mich sehr bewegend, das ich diese Gewässer nach 39 Jahren  noch einmal befahren konnte. Da kamen viele Erinnerungen hoch. Für alle, die Lust haben, sich einmal anzuschauen, wie es heute dort aussieht, hier der Link zu dem Video, das ich 2005 gemacht habe.



Houston und New Orleans - 2005  -  "MSC Sarah"
http://www.youtube.com/watch?v=dyddqKuCuNE


An den Ufern des "Houston Ship Channels" 


An den Ufern des "Houston Ship Channels"


An den Ufern des "Houston Ship Channels"




MS "Goldenfels" in Houston / Texas


Hier die "Goldenfels" an ihrem Liegeplatz in Houston / Texas. Wir machten hier am 3.9. 1966 fest. Bevor man diesen Liegeplatz erreichte, fuhr man den Kanal noch sehr weit hoch. Als ich 2005 an Bord der "MSC SARAH" hier gewesen bin, machten wir am sogenannten "Barbours Cut", dem Containerterminal von Houston fest, der schon ganz am Ende der "Galveston Bay" an der Backbordseite liegt. Mit der Goldenfels fuhren wir noch weit in den dann immer enger werdenden Kanal hinunter, bis wir dann diesen im Bild zu sehenden Liegeplatz erreichten. Am Ufer habe ich 1966 noch Frauen gesehen, die ihre Wäsche im Kanal gewaschen haben. Bei der "Immigration" an Bord der "MSC Sarah" habe ich einen der amerikanischen Beamten gefragt, ob dieser Liegeplatz noch existiert, aber der Bursche war noch sehr jung, er konnte mir da nicht weiterhelfen.

MS "Goldenfels" in Houston / Texas


Links im Bild ein Teil der Autos, die wir von Le Havre mitgebracht hatten und die hier in Houston mit bordeigenem Geschirr gelöscht wurden.
Ich erinnere mich noch, das das Wasser hier im Hafen sehr stark verunreinigt war. Wenn die Maschine gestartet wurde, und die Schraube sich drehte, bildete sich ein gewaltiger Schaumteppich. Der Geruch war übel.


Schwergut laden


Schwergut laden


Schwergut laden


Schwergut laden


Schwergut laden


Schwergut laden


Schwergut laden


Schwergutbaum MS "Goldenfels"


Eine herrliche Aufnahme des 165 t Schwergutbaumes der Goldenfels. Darunter die Tarverse.


MS "Goldenfels"



Hier noch einmal ein Blick auf die Traverse.

Landgang in Houston


In Houston lagen wir immer relativ lange. Eine Woche Liegezeit, oder länger, war in der damaligen Zeit in der Stück - und Schwergutfahrt völlig normal. Dann hatte man in den Häfen eine ganz normale Arbeitszeit von 8.00 - 17.00 Uhr. Wenn man keine Wache hatte, konnte man dann natürlich an Land gehen.
Dieses Bild entstand in einem Vorort von Houston. Das Foto zeigt einen kleinen Laden, wo man sich auch hinsetzen konnte, um was zu trinken. Genau gegen über war ein Swimmingpool, wo man sich bei der Hitze herrlich erfrischen konnte. Hier sind wir fast jeden Tag mit dem Taxi hingefahren. Das war für unsere damaligen finanziellen Verhältnisse nicht ganz billig, denn ein US-Dollar kostete damals 4,30 DM. Aber wir waren meist 4 Personen. Wir teilten dann die Kosten und so ging das ganz gut.


Landgang in Houston


Hier noch mal eine Nahaufnahme des Ladens. Hinter der Scheibe zu sehen mein damaliger "Kammermacker" Rudolf Heßling (links) und rechts Eckard Schwertfeger. Hier lernten wir einige tolle Latino - Mädchen in unserem Alter kennen, die wir hier täglich trafen. Das hat den einheimischen Jungs natürlich nicht gefallen. Als wir an unserem letzten Tag in Houston eine Straße weiter in einem Eiscafe was getrunken haben, erschien plötzlich eine ganze "Gang" von sicherlich 10 - 12 Jugendlichen in dem Laden und ich dachte, jetzt gibt es was auf die "Mütze", aber der "Anführer" löste das Problem auf seine eigene, sehr originelle Weise. Er ging zur Musicbox, warf eine Münze ein und wählte eine Scheibe der "Rolling Stones". Titel: "You better move on" (Es ist besser, Ihr verschwindet). Wir hatten verstanden und machten uns auf den Weg zurück an Bord. Diese Szene habe ich heute noch vor Augen
.    

Landgang in Houston - Im Swimmingpool


Hier eine schöne Aufnahme, die uns im Pool zeigt. Von links nach rechts :  Wolgang Peter, Eckard Schwertfeger, meine Wenigkeit und Rudolf Heßling.


Ralf Uka im Pool


Landgang in Houston 1966


Landgang in Houston 1966


 

Bis in die City von Houston war es ein weiter Weg. Wir sind mit dem Bus dort hingefahren, weil ein Taxi unerschwinglich war. In den Bussen konnte man damals rauchen, und die Kippen wurden einfach auf dem Boden ausgetreten. Das waren noch Zeiten. Die beiden obigen Aufnahmen zeigen die City von Houston.

An Bord der "Goldenfels" hatten wir auch eine Fußballmannschaft. Hier in Houston spielten wir 1966 gegen die Crew eines italienischen Schiffes. Die haben wir mit 13 : 0 abgefertigt. Leider hat sich dabei unser Kochsmaat Theo Köller, der im Tor stand, schwer am Knie verletzt. Für ihn war die Reise beendet. Das war für uns alle ein Schock. Theo war ein super Kumpel.

Als wir Ende 1966 (es kann auch Anfang 1967 gewesen sein) in Karachi/Pakistan lagen, lag hinter uns ein DDR-Schiff der Deutschen Seereederei Rostock, dessen Namen ich leider nicht mehr weiß. Ralf Uka
vereinbarte mit den DDR-Kollegen ein Fußballspiel gegen sie auszutragen. Wir wußten, das Westkontakte auf DDR-Schiffen nicht sehr gern gesehen wurden und glaubten eigentlich nicht, das es zu diesem Spiel kommen würde. Da hatten wir uns gründlich getäuscht. Die Herausforderung wurde angenommen. Wir wurden in einem VW-Bully auf den Sportplatz der Firma Siemens etwas außerhalb von Karachi gefahren und nach 90 Minuten trennten wir uns nach einem hochklassigen Spiel brüderlich 1:1. Der anschließende Umtrunk fand in der Mannschaftsmesse auf dem DDR-Schiff statt. Das war eine sehr angenehme Erfahrung, weil Politik dabei nicht die geringste Rolle gespielt hat. Das war einfach nur ein Fußballspiel unter Seefahrtskollegen, an das ich mich immer wieder sehr gerne erinnere.

Ralf Uka im "Hansa" Trikot

 


Ende Teil 1  -  MS "Goldenfels





Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von harald maedje( harald.maedjeweb.de ), 29.01.2017 um 08:44 (UTC):
Ich bin 1967 auf der Goldenfels gefahren und musste in Chitagong aussteigen, da die Goldenfels verkauft wurde. Danach war ich noch auf der Wartenfels und zum Schluß auf der Uhenfels. Der Unfall der Uhenfels auf der Schelde, Einfahrt Antwerpen hätte mich fast das Leben gekostet, danach war Schluß mit der Seefahrt.
Herzlichen Gruß
Harald

Kommentar von Mechthild Borries-Knopp( globalartgmx.net ), 12.05.2014 um 11:34 (UTC):
Ich benötige für einen Roman Informationen darüber, welche Frachtschiffe im Jahre 1966 von Bombay nach Le Havre oder Marseille gefahren sind über den Suezkanal: die genaue Route, die Zeit und sonstige Details. Wer kann mir helfen?

Kommentar von Theo Köller( gabi.sunitybox.de ), 27.04.2014 um 18:29 (UTC):
Erst jetzt habe ich diesen tollen Bericht über die Goldenfels-Reise entdeckt. Auch bei mir wurden viele Erinnerungen wach. Heute bin ich Rentner, 70 Jahre alt, lebe in Hamburg und mein Knie - nicht meine Schulter - ist nach dem Fussballunfall in Housten wieder prima zusammengewachsen. Es war schon eine tolle Zeit!

Kommentar von Carl Hammersen( chammersen1gmail.com ), 12.01.2014 um 14:33 (UTC):
Ich war 21.1266 bis 14.7.67
als erster 2. Offizier mit Herwig Kapfer als Erster, Fritz Hoelscher als zweiter 2. Offizier Joerg Roloff als 3. Offizier. Unser Kapitan war Horst Mendel.
Ich stieg in Marseille ein ohne meine Kiste mit Klammotten etc. Diese Kiste erreichte mich in New York. Fritz hat ein schoenes Bild gemacht als wir beide diese Kiste ueber die Gangway an Bord brachten. Die Zeit auf der Goldenfels war die Beste Zeit in meiner Seefahrt die 1968 endete als ich 1968 nach Suedafrika auswanderte und dann als Hafenlotse und Assistant Port Captain bis 2000 taetig war :

Kommentar von Lutz Sengbusch( lsengbuschaol.com ), 10.09.2013 um 18:02 (UTC):
Ich bin vier Jahre vorher im Juli 1962 in Bremen an Bord der Goldenfels als Moses gegangen. Wir waren damals 14 "Kadetten" die einen Ausbildungsvertrag bekamen. Zuvor habe ich drei Wochen auf der Ali Baba im Holzhafen gehaust und wir haben anderen Hansa Dampfern wie Gutenfels, Hohenfels bei der Proviant und Storeübernahme geholfen.

Unser Bootsmann auf der Goldenfels war damals Johann Przybilak, der 1. Offizier war Edzard Henneke und der Dritte hieß mit Nachnamen Schatz, Vorname entfallen.

Unsere Reise dauerte damals 10 Monate und ging von Bremen über Rotterdam, Antwerpen, durchs Mittelmeer, den Suez (wo Ferdinand uns seine Kamelhocker und Taschen angedreht hat) über Aden nach Dammam, Kuwait, Basra und Khorramshar. Von dort über Karachi, Bombay, Goa und Cochin wieder durch den Suez in die USA, nach New York, Baltimore, Newport News, Mobile , Beaumont nach Houston (übrigens den gleichen Liegeplatz wie hier beschrieben.

Weihnachten 1962 in Houston und von dort wieder in den PG. Dann wieder Karachi, Bombay und dann Richtung Heimat. Und damals hörten wir über die Deutschge Welle das erste Mal Freddy und sein "Junge komm bald wieder" . Ihr könnt Euch die Stimmung vorstellen. In Emden bin ich dann ausgestiegen, hab der Hansa den Rücken gekehrt und meien Laufbahn bei der HAPAG fortgesetzt.

Kommentar von Johann Strahmann( Strahmann1gmx.de ), 08.06.2011 um 13:10 (UTC):
Ich bin mit der Wildenfels 71 dort hochgefahren. Die Erinnerung kommt wieder.



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