Reisen auf Frachtschiffen und "DDG HANSA" - Bremen
  MS "TREUENFELS"-Teil 2-Äquatortaufe
 

MS "Treuenfels" - Teil 2 / Äquatortaufe

Die Äquatortaufe auf MS "Treuenfels" fand am 17.8. 1967 auf der Reise von Zeebrügge nach Djibouti statt. Ich wurde auf den Namen "Thunfisch" getauft. Die Taufe war hammerhart, wie das damals auf Frachtschiffen üblich war, aber für mich war das so etwas wie ein "Ritterschlag". Man war einfach stolz, das man nun dazugehörte, den Äquator überquert zu haben. Aber lassen wir die Bilder sprechen.


Äquatortaufe


Hier ein Blick auf das Achterdeck, wo die Taufe stattfand. Von dem Kollegen, der sich auf der linken Seite gerade eine Zigarette ansteckt, weiß ich noch, das er mit Vornamen Dieter hieß.


Äquatortaufe


Hier ein Teil der Besatzung bei der Vorbereitung zu dem großen Ereignis. Unten im Bild unser "Scheich" (Bootsmann) in dem roh zusammengezimmerten "Taufbecken", das noch nicht mit einer Persenning ausgekleidet war.

Äquatortaufe


Auf diesem Bild sieht man das Achterdeck der "Treuenfels", auf dem die Vorbereitungen für die Taufe abgeschlossen waren.

Äquatortaufe


Im Vordergrund die alte Pritsche, auf der man später vom "Doktor" behandelt wurde.

Äquatortaufe


Die Täuflinge wurden in aller Frühe von den behelmten "Polizisten" mit Gummiknüppeln und Peitschen aus ihren Kammern gezerrt, und in die sogenannte "Taulast" gesperrt (die Taulast befindet sich auf dem Achterdeck unter Deck, wo die Leinen usw. gelagert wurden). Nun waren wir hier mit ca. 25 Leuten (die genaue Anzahl weiß ich nicht mehr) zusammengepfercht in diesem kleinen Raum unter Deck. Die Äquatorsonne brannte unbarmherzig auf das Deck und der Schweiß rann uns in Strömen vom Körper. Die Luft war zum schneiden, der Mief unerträglich und die da oben hatten nichts anderes zu tun, als mit dicken "Motteks" (Hämmer) sicherlich 15 Minuten lang auf das Deck zu kloppen, bis uns die Ohren klingelten, und das war erst der Anfang.
Auf dem oberen Bild kann man sehr schön sehen, wie einer der Täuflinge aus der engen Luke der Taulast gezerrt wird, um dann weiter in "Behandlung" zu gehen.


Äquatortaufe 


Die nächste "Station" war der "Sterngucker", den unser Koch spielte. Wir mußten uns vor ihm niederknien und er befahl uns, nach oben in die Sterne zu schauen. Dann wurde uns ein offenes Holzfernrohr auf die Augen gesetzt und er goß eine Mischung aus Wasser und Essig hinein, was man auf dem oberen Bild gut erkennen kann. Das war nicht gerade angenehm, die Augen brannten wie Feuer und man konnte nichts mehr sehen. In diesem Zustand taumelte man dann zur "Weiterbehandlung" an die nächste "Station".

Äquatortaufe 


Hier einer der Täuflinge, den man schon reichlich mit Schmieröl eingerieben hatte, bei der Behandlung beim "Doktor", wo man Einiges über sich ergehen lassen mußte. Die nächsten Bilder zeigen mehr.

Äquatortaufe... beim "Doktor"



Äquatortaufe... beim "Doktor"


Auf diesem Bild kann man rechts ganz deutlich einen Teller mit kleinen Kügelchen sehen. Das  waren kleine Fleischbällchen, die an einen Bindfaden gebunden wurden. Die mußte man dann runterschlucken. Anschließend wurden sie dann an dem Bindfaden wieder hochgezogen.


Äquatortaufe... beim "Doktor"



Äquatortaufe... beim "Doktor"


Gut zu erkennen ist hier, wie der "Doktor" dem Täufling mit einem Trichter eine undefinierbare Brühe einflößt. Woraus das bestand, weiß ich nicht mehr. Ich will es auch gar nicht wissen. Es war nicht hart an der "Kotzgrenze" , es hatte diese weit überschritten.

Äquatortaufe... beim "Doktor" 


Auf dieser Aufnahme kann man noch genauer sehen, wie diese flüssige Pampe vorher mit einer Kelle in einen Trichter gegossen wurde, der bis in Schlund eingeführt war. Die meisten haben gekotzt wie die Reiher und haben danach ausgesehen wie `ne "Stuhlprobe", ich auch.

Äquatortaufe... beim Doktor


Äquatortaufe... beim Doktor


Hier kann man sehen, wie einige spezielle Körperteile eine Spezialbehandlung mit der Fettpresse erhielten. Wir haben hinterher sicherlich mehr als eine Stunde unter der Dusche verbracht, um uns wieder zu reinigen.
 
Beim Friseur


Beim Friseur gab es nur einen Einheitsschnitt ..... fast Glatze.

Beim Friseur


Bei "Neptun"



Dieses Bild zeigt "Neptun" (links) mit seiner Frau Thetis. Unser "Scheich" (Bootsmann) war in die Rolle des Meeresgottes geschlüpft. Thetis wurde von einem Matrosen dargestellt. Vor Neptun mußte sich jeder der Täuflinge ehrfurchtsvoll niederknien, und dann seiner Frau Thetis die Füße küssen, die in einer Schüssel aus vergammeltem Fischsud mit Köpfen eingetaucht waren.


Bei "Neptun"

Hier einer der Täuflinge vor Neptun knieend. Der rechte Fuß von Thetis ist in die stinkend gärende Fischpampe eingetaucht. Gleich wird er Ihr die Füße küssen. Da kann sich unserBootsmann ein "Grinsen" nicht verkneifen.

Das Taufbecken


Hier ist gerade ein Täufling vom Rand des Taufbeckens ins Wasser geplumpst und abgetaucht. Hier hatte man wenigstens noch ein bißchen Abkühlung, dachte ich. Dann  wurde man nach dem ersten Auftauchen aber wieder zurück ins Wasser getaucht, bis man kaum noch Luft bekam. Das ganze wiederholte sich einige Male. Ich war froh, als ich das überstanden hatte. Einige sind dabei in Panik geraten, aber spätestens bei der Großen Party am Abend war das alles wieder vergessen. Nachfolgend noch einige Bilder vom Taufbecken.


Das Taufbecken


Das Taufbecken


Das Taufbecken


Das Taufbecken


Hier noch einige Bilder von der Taufe.



In der Mitte des Bildes, mit der schwarzen Kappe, der "Pastor". Er wurde von unserem OA, Hartmut Wernich dargestellt. Bei Ihm mußte man angeben, wieviele Kisten Bier man ausgeben wollte, um nicht noch einmal ins Taufbecken getaucht zu werden. Ich habe zwei Kisten bezahlt. Danach war die Taufe beendet.


Äquatortaufe


Nach der Taufe


Dieses Bild zeigt einige von uns nach dem Duschen mit "modischen Kurzhaarfrisuren" nach der Taufe. Wir hatten ausgiebig geduscht und versuchten unsere völlig verhunzten Haare wenigstens einigermaßen in "Schuß" zu bringen. Ich bin hier mit dem Rücken zur Kamera zu sehen.


Abends auf der Party


Nach der Taufe wurde am Abend eine riesige Party gefeiert. Bier wurde ja reichlich "gespendet". Hier wurden dann auch von unserem Bootsmann die Taufscheine überreicht. Aller Stress war vergessen, und es wurde richtig abgefeiert. Auf diesem Bild zu sehen: Ganz rechts Kapitän Wilken,  links daneben unser "Chiefmate", der Erste Offizier, Herr Herz. Stehend mit dem Taufschein in der Hand, Dieter Volz, unser Bootsmann.


Überreichung der Taufscheine


In der Mitte des Bildes (mit dem frechen Grinsen und der Flasche Bier in der Hand) unser OA Hartmut Wernich.

Überreichung der Taufscheine


Rechts neben Kapitän Wilken in der Bildmitte sieht man noch gerade soeben den grauen Haarschopf von unserem damaligen "Chief", Herrn Bott.


Überreichung der Taufscheine


Überreichung des Taufscheines an Jungmann Eckard Schwertfeger.

Mein Äquatortaufschein


Hier der Text noch mal im Detail.


Ich wurde am 17.8. 1967 auf MS "Treuenfels" auf den Namen "THUNFISCH" getauft, ein Ereignis, das ich mein Leben lang nie vergessen werde. Man sollte seinen Taufschein niemals vergessen mit an Bord zu nehmen, denn sonst wird man noch einmal getauft.





Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von Harald Eufinger( ), 12.03.2012 um 18:12 (UTC):
Ahoi Seeleute (Ex und Aktive!)
Bin auch auf der Treuenfels gefahren u. dort als Moses auf den Namen "Barsch" getauft worden. Teuflische Sache, das! Aber ich lebe ja noch u. hab's überstanden. Eckhard Schwertfeger, Ignaz, Bootsmann Voss, Leichtmatrose Manfred aus Marburg u.a. machten damals die Reise in den Perser Golf mit. Wir fuhren von Genua aus ums Kap herum ins "Tor zur Hölle". Geil! Werd's nie vergessen! Ichgrüße Euch ALLE hiermit recht herzlich,
Harald

Kommentar von Volker Eisner( larosepeshotmail.com ), 20.06.2011 um 22:47 (UTC):
super Bilder-bin 1968 auf der Treuenfels als Kochsmaat gefahren und wurde getauft.Habe leider selber keine Bilder, aber nun die Erinnerung wieder. Danke schön.

Kommentar von achim müller( achimmuellerhotmail.com ), 22.03.2011 um 17:30 (UTC):
ja tolle bilder habe die taufe auf der uhenfels bekommen:):)



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